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Brrrrr Brauchtum


(Bildrechte „Chronik der Nikologruppe Bad Mitterndorf“ - Fotos: Johann Aster / Herbert Sams / König - Bad Aussee)


Es war der Tag, auf den er sich ein ganzes Jahr lang gefreut hatte. Mit 99 anderen Männern steht er in den Startlöchern für einen ganz besonderen Auftritt.

Die meisten von ihnen sind gleich gekleidet, tragen einen dunklen Schafspelz. Um die Hüfte an einem dicken Gurt hängen schwere Glocken. Bundesheer-Stiefel halten während dieser Nacht die Füße warm und rüsten die enthusiastischen Männer für den bevorstehenden Marsch. Die Gesichter der Gefährten sind nicht zu erkennen, alle tragen Masken. Larven aus Holz, liebevoll geschnitzt, aufwändig und penibel perfektioniert. Dieses Gesamtkunstwerk gipfelt in zwei prachtvolle Hörner am Schädel und einer Rute aus Birkenzweigen in der Hand.

Der junge Mann schaut sich um, alle seine Kameraden sind fröhlich, freudig und erwarten das gleich folgende Spektakel mit großer Euphorie aber auch Ehrfurcht. Wertschätzung darüber, dass SIE diese über 100 Jahre alte Tradition weiterführen dürfen – wie die Väter und Großväter vor ihnen.

„Die Vorbereitungen hab ich gut hinter mich gebracht.“, denkt der Mann bei sich. „Es kommt mir vor, als wären die Krampus-Sitzung, das Rutenbinden und der Probelauf schon endlos weit zurück. Ich hatte Glück, meine Maske ist noch intakt, ebenso mein Mantel. Gut, dass ich sie bei mir zu Hause gewissenhaft aufbewahrt hatte.“

Rund um ihn läuten die großen Glocken, aus den ganz normalen Männern werden durch ein paar Handgriffe große, furchteinflößende schwarze Teufel die es gar nicht mehr erwarten können, sich unter die Zuschauer zu mischen.

Der junge Mann erinnert sich besonders in diesen Stunden an seine Anfänge als Krampus zurück. Er war noch ein kleiner Junge als er von seiner Oma seinen aller ersten Schafspelzmantel bekam und von einem lieben Nachbarn die erste Maske.

Die Masken bekommen von ihrem Schnitzer oder den Trägern einen Namen verliehen. Seine erste Larve bekam den Namen „Zottelbär“ und die ist bis heute noch in seiner Familie – trotz des stolzen Alters von fast 50 Jahren.

Der leider bereits verstorbene „Vater der Krampusse“ Franz Strick hielt vor Beginn, vor dem Anblasen des Spiels, um Punkt 17:00 Uhr immer noch eine kurze Rede. Seine Schlussworte waren: …“Benehmts eich wie Krampusse und jetzt schauts das weida kempts“ (Benehmt euch wie Krampusse und jetzt schaut, dass ihr weiter kommt).

Die schwarzen und weißen Figuren setzen sich danach in Bewegung und kehren beim ersten Aufführungsort ein.

Während die weißen Figuren das eigentliche Spiel aufführen, wartet der junge Mann mit seinen Genossen vor dem Haus – mucksmäuschenstill, keine Glocke ist zu hören.

„Gleich, gleich spricht Luzifer den einen Satz, dann stürmen wir hinein!“, freut er sich. An der Tür stellen sie sich auf, machen sich bereit als plötzlich ihr Zeichen ertönt. Luzifer schreit: „Darum auf ihr Teufel kommt herein und packt sie alle in die Hölle hinein!“

Der junge Mann rennt voraus, die anderen schwarzen Teufel hinter ihm und in der Gaststube wird es plötzlich ziemlich eng. Durch die kleinen Augenschlitze in der Maske sieht er ängstliche Kinderaugen, lachende Väter und Mütter, die sich dahinter verstecken.

Das Signal des Nachtwächters beendet nach einiger Zeit das Treiben.

Die Schwarzen und Weißen sammeln sich vor der Gaststätte und der gesamte Zug mit allen Figuren marschiert weiter zum nächsten Aufführungsort.

Verschwitzt nimmt der junge Mann am Ende des Abends die Maske vom Kopf, seine Schultern hängen schwer, die Beine brennen vom Laufen und marschieren.

„Bis nächstes Jahr!“, sagt Johannes, während er seinen Krampusmantel und die Maske an einem sicheren Ort verstaut.

Alle geschichtlichen Informationen finden Sie unter https://nikolospiel.webnode.at/

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