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Das Grimmingmandl

Jeder erschlossene Berg wurde irgendwann von irgendjemandem erstbezwungen - so auch unser Hausberg der Grimming.

Er wirkte immer schon mächtig. Ganz allein stand er inmitten eines breiten Tales und wachte über seine Bewohner im Ennstal und in Hinterberg. Viele Jahre traute sich niemand diesen Riesen aus Fels und Stein zu betreten, doch irgendwann, es ist jetzt an die 300 Jahre her, gab es einen mutigen, jungen Mann, der sich aufmachte, um das bisher Unmögliche zu versuchen.

Der junge Mann wagte diesen Weg allein. All seine Freunde rieten ihm ab, sie meinten, es läge ein Fluch auf diesem Berg. Der tapfere Mann lies sich jedoch nicht beirren, er glaubte nicht an diese Horror-Märchen. Er hatte bereits viele Berge bezwungen, da stellte der Grimming keine besondere Herausforderung für ihn dar.

Bereits am frühen Morgen brach er auf. Es war noch dunkel draußen als er sich den Weg durch den Wald und das dichte Gestrüpp suchte. Ausgerüstet mit genügend Wasser, etwas zu essen und seinen besten Bergschuhen war er voller Zuversicht den Sonnenaufgang bereits von oben erleben zu dürfen.

Nach der Baumgrenze stand er vor dem blanken Felsen. Er war noch eiskalt, kein Sonnenstrahl hatte ihn heute noch berührt. Wie eine Gämse huschte er die schroffen Wände hinauf - als wäre es nichts.

Unter seinen flinken Beinen merkte der Mann nicht, dass bereits jemand erwacht war. Es war der Grimming, dem die Unternehmung der Besteigung sichtlich missfiel. Der Berg versuchte mit allen Mitteln den Mann abzuschütteln. Er wollte unbestiegen bleiben - und das um jeden Preis.

Er lies Steinlawinen abgehen, doch der Mann drückte sich trotz Dunkelheit an die Steilwände und entkam dem Felstot. Er schickte ein plötzliches Gewitter, mit Regenschauern, Blitzen und Donner. Doch auch dem trotzte der Mann, indem er sich unter einem Felsvorsprung versteckte und dem ausharrte.

Der junge Bergsteiger kam so immer weiter voran, die Stunden verstrichen und plötzlich sah er über sich nur noch den Himmel, einen klaren Himmel. Nun wusste er, er hatte es beinahe geschafft - er hatte den Einsamen Riesen gleich bezwungen.

Oben angekommen wurde er mit dem schönsten Sonnenaufgang belohnt, den er sich für seine Expedition wünschen hätte können.

Der Berg war nun trotz aller Widerstände ehrfürchtig vor dem jungen Bergsteiger. Sein Groll schwand und er war stolz, diesen Mann als Erstbesteiger zu wissen.

Der Grimming beschloss, sich dem Mann zu erkennen zu geben. Zunächst erschrak der Bursche fürchterlich doch nach reichlicher Überzeugungsarbeit fand er sich damit ab, dass die Geschichten über den lebenden Berg doch wohl wahr waren.

Der junge Mann war klug. Er wusste bereits, dass ihm im Tal niemand glauben würde, deshalb heckte er zusammen mit dem Berg einen Plan aus…

Unten angekommen trat ein, was der Mann erwartet hatte: alle belächelten ihn und stellten ihn als Hochstapler dar. Niemand zuvor hatte noch den mächtigen Grimming bezwungen - wieso also ausgerechnet er.

Der Mann trommelte seine Freunde zusammen, sie alle versammelten sich am Fuße des Grimmings und als er sie dann ermahnte hochzuschauen, blieben die Augen und Münder seiner Freunde weit offen stehen.

In den kargen Felswenden dieses mächtigen Berges sah man es ganz deutlich: das Gesicht des jungen Mannes!

Dies war der Plan des Berges und des mutigen Mannes gewesen, der es als erster wagte, den Grimming zu besteigen. Bis heute kann man bei den richtigen Wetterverhältnissen das Gesicht erkennen und es erinnert an den glorreichen Aufstieg eines unerschrockenen Bergsteigers.

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